Schneegestöber 2 2019/20

 

Einführung &
 Überblick zu Schneeprofilen


Was steht auf einem Schneeprofil drauf…







Kornformen:









Härteangaben:
Durchdringbar mit..


1 = Faust
2 = vier Finger
3 = ein Finger
4 = Bleistift
5 = Messer
6= Eis, kompakt


Feuchtigkeitsangaben:


1 = trocken, Schnee unter 0°C
2 = schwach feucht, Schnee 0°C
3 = feucht, Wasser erkennbar
4 = nass, Wasser auszupressen
5 = sehr nass, wasserdurchtränkt


   



Tests:

ECT - erweiterter Säulentest

Der am meisten angewandte und schnell durchführbare Test. Dieser ermöglicht eine gute Abschätzung der Bruchinitiierung und der Bruchfortpflanzung (Ausbreitung) bis ca. 1 m Tiefe. Dazu wird ein 90 x 30 cm großer Schneeblock vorne und an den Seiten bis zum Boden freigeschaufelt. Die Hinterseite mit einer Reepschnur oder „Rutschblockschnur“ abschneiden. Hier am besten schon den Block beobachten. Am seitlichen Rand wird das Schaufelblatt aufgelegt und durch Klopfen stufenweise belastet. Idealerweise macht eine Person den Test während eine andere den Block auf mögliche Brüche und deren Bruchfortpflanzung beobachtet.





Belastungsstufen:


Bruch beim Graben oder abschneiden                    Schlag 0

Bruch bei Belastung aus dem Handgelenk             Schlag 1-10

Bruch bei Belastung aus dem Ellbogen                   Schlag 11-20

Bruch bei Belastung aus der Schulter                      Schlag 21-30

Kein Bruch                                                                     Schlag 31



Brucharten:


Plötzlicher Bruch (P) Ganzer Block. Bruch pflanzt sich beim Schlag X durch den ganzen Block fort.

Teilbruch (N) es entsteht beim Schlag X ein Teilbruch. Das heißt, dass sich der Bruch nicht über den ganzen Block ausbreitet.




RB – Rutschblocktest


Dies ist der beste aber auch aufwändigste Test um die Stabilität der Schneedecke festzustellen. Dazu legt man einen Block mit einer Breite von 2m und einer Tiefe von 1,5 m in einem aussagekräftigen Hang (ca. 35° Steilheit) frei. Danach folgt die Belastung die wie folgt abläuft.





Belastungsstufen:


RB 1 @ … Bruch beim Graben oder Sägen
RB 2 @ … Bruch beim schonenden Belasten mit Ski (drauf gehen, steigen)
RB 3 @ … Bruch bei 3x Wippen mit Ski am Stand
RB 4 @ … Bruch beim 1. Sprung mit Ski ins obere Drittel
RB 5 @ … Bruch beim 2. Oder 3. Sprung mit Ski ins obere Drittel
RB 6 @ … Bruch beim Sprung ins obere Drittel ohne Ski
RB 7       ...Kein Bruch.


Brucharten:


Plötzlicher Bruch (P) Ganzer Block. Bruch pflanzt sich durch den ganzen Block fort.

Teilbruch (N) es entsteht ein Teilbruch.




Schneeprofil
Lesen anhand eines Beispiels


Dieses Profil habe ich am 16.11.19 um 12:30 Uhr in Kühtai, bei der Grieskogelscharte aufgenommen.

Höhe: 2589m

Exposition: Ost (der Hang schaut nach Osten)
Schneehöhe: 95cm

Schichten von unten nach oben: 

0 cm – 36 cm ….. Kantig -abgerundete Kristalle. Umwandlungsprozess von Kantig wieder zum Rundkorn, (abbauende Umwandlung). Mit einer Größe von 0,5 – 1 mm und einer Härte von 1-2, nicht mehr ganz so leicht mit der Faust durchdringbar, für 4 Finger aber noch zu weich.


36 cm – 38 cm ….. Kantig abgerundete Kristalle mit kantigen Kristallen gemischt. Wobei die Kornform die als erstes steht, immer die dominantere in der Schicht ist.
Mit einer Größe von 0,5 mm und einer Härte von 1, mit der Faust durchdringbar.


T Diese Schicht bildet die Schwachschicht für den ECTP28. Eine sehr weiche Schicht mit schlecht verbundenen Kristallen. Wie man sieht ist genau in diesem Bereich der Temperaturgradient (großer Temperaturunterschied auf kleinem Raum) hoch was die aufbauende Umwandlung fördert. Dies wird aktuell mit dem Schneefall vom 17.11.19 kein großes Problem mehr darstellen.


T Die Schichten vom Boden bis ca. 38 cm sind von den Schneefällen bis zum 10.11.19 (siehe Profil vom 10.11.19 im Schneegestöber 1) Man sieht hier gut wie sich die Kristalle - die damals noch Kantig waren - durch die Schneelast und den geringen Temperaturgradienten in bodennahen Schichten, zum Positiven wandeln. Hier ist der Prozess der abbauenden Umwandlung wieder im Gange, der die kantigen wieder zu rundkörnigen Kristallen formt.



38 cm – 52 cm ….. Punkt mit Kantig mit einer Größe von 0,5 und einer Härte von 1, mit der Faust durchdringbar.
52 cm – 55 cm ….. Kantig mit Punkt mit einer Größe von 0,5 und einer Härte von 1-2, nicht mehr ganz so leicht mit der Faust durchdringbar, für 4 Finger aber noch zu weich.

55 cm – 76 cm ….. Punkt mit einer Größe von 0,5cm und einer Härte von 3-4, mit einem Finger nicht mehr ganz leicht durchdringbar, für einen Bleistift aber noch etwas zu weich.


T Ca. 38 cm – 76 cm Niederschlag vom 12.11. auf 13.11.19



76 cm – 78 cm ….. Filz mit Kantig mit einer Größe von 0,5 – 1 mm und einer Härte von 2, mit 4 Fingern durchdringbar.


T Kantige Kristalle (Aufbauende Umwandlung) entstanden am 14.11. durch eine klare Nacht und sehr tiefen Taupunkt (bis ca. -30°C). Dies ließ die Schneeoberfläche stark auskühlen und somit die aufbauende Umwandlung in Oberflächennähe in Gang kommen, in dieser Schicht kam nur ein Teilbruch zustande.



78 cm – 94 cm ….. Neuschnee mit Filz mit einer Größe von 1 und einer Härte von 1


94 cm - 95 cm ….. Filz mit Punkt mit einer Größe von 0,5 – 1 und einer Härte von 2. Leicht vom Wind beeinflusste Schneeoberfläche.


T Ca. 76 cm – 95 cm Niederschläge vom 15. – 16.11.19.


Die gesamte Schneedecke ist trocken und weist eine Temperatur bis höchsten 0°C (am Boden) auf.


Hier das Profil mit abgerutschten Block


Testergebnisse:


Es wurde jeweils ein erweiterter Säulentest (ECT) durchgeführt.

ECTN8 @ 78 cm
Bei dem achten Schlag aus dem Handgelenk konnte ein Teilbruch (N) erzeugt werden. Ein Bruch wurde intiiert aber konnte sich nicht fortpflanzen.


ECTP20 @ 36 cm
Beim 20. Schlag (zehnter Schlag aus dem Ellbogen) entstand ein Bruch in der Schwachschicht und breitete sich über den ganzen Block aus. Folge: der Block oberhalb des Bruchs rutscht einem entgegen.



Wenn man ein Schneeprofil mit den Schichten, Kornformen, Härten, und Temperaturangaben lesen kann, fällt es einem schon leichter den Aufbau der Schneedecke zu eruieren. Und ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es sich um eine kompakte und stabile Schneedecke mit gut verbundenen Schichten und mehrheitlich Rundkörnigen Kristallen, oder eine eher instabile Schneedecke mit einem Wechsel aus meistens Krusten und kantigen Kristallen handelt. Anhand von den Testergebnissen kann man sich ein Bild machen, ob Brüche überhaupt zustande kommen, diese sich ausbreiten und ob störbare Schwachschichten vorhanden sind. Man muss also nicht unbedingt selbst in kalten Schneelöchern stehen und wühlen, denn viele  Profile sind auf https://www.lawis.at/profile/ öffentlich einsehbar. Was ich dennoch allen empfehle, ist ab und zu einen ECT zu machen, ohne dabei die Schichten genau zu eruieren und aufzuschreiben, denn für das Verständnis von Lawinen ist die Praxis unumgänglich. Immerhin ist es eine der wenigen Arten um einen Bruch live zu sehen ohne sich dabei mitten in einem Schneebrett zu befinden. Denn mit Lawinen lässt sich bekanntlich nicht gut Kirschen essen.


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